Die Große Freiheit ist die bekannteste Seitenstraße der Reeperbahn – Kaiserkeller, Gruenspan, die Beatles-Geschichte des Star-Clubs – an Wochenendnächten laufen hier Tausende Menschen auf der Fahrbahn. Nach den Anschlägen mit Fahrzeugen in Nizza und Berlin stand für die Stadt Hamburg fest, dass diese Straße nachts nicht mehr mit dem Auto befahrbar sein darf. Betonklötze wie an vielen Weihnachtsmärkten kamen nicht infrage: Die Straße muss tagsüber für Lieferanten, Handwerker und Rettungsfahrzeuge offen bleiben. Die Antwort waren sechs versenkbare Sicherheitspoller aus Edelstahl V4A, gefertigt bei uns in Seevetal, gut zwanzig Kilometer vom Kiez entfernt.

Einbau 2018: Drei Sicherheitspoller stehen an einem Ende der Großen Freiheit bereit, die Kabel- und Schlauchpakete liegen schon aus. Die Straße blieb während der Arbeiten für Fußgänger offen.
Sechs Poller, zwei Enden, eine Straße
Die Große Freiheit hat zwei Zufahrten – eine an der Reeperbahn, eine am anderen Ende der Straße. An beiden stehen seit Oktober 2018 je drei Poller in einer Reihe, so eng gesetzt, dass kein Fahrzeug dazwischen passt, Fußgänger aber jederzeit durchkommen. Von 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens sind die Poller ausgefahren und die Straße ist für Fahrzeuge dicht. Tagsüber sind sie abgesenkt: Dann liegen nur die Edelstahldeckel bündig im Asphalt, und der Lieferverkehr für Clubs, Bars und Gastronomie rollt wie gewohnt.
Eingeweiht hat die Anlage am 26. Oktober 2018 der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Falko Droßmann, zusammen mit dem Leiter der Davidwache, Ansgar Hagen. Seitdem fährt sie jeden Abend aus und jeden Morgen wieder ein – bei jedem Wetter und egal, was in der Nacht auf dem Kiez los war.

Abends auf dem Kiez: Die drei Poller sind ausgefahren, der rote LED-Ring im Pollerkopf zeigt jedem Fahrer schon von der Reeperbahn aus, dass hier Schluss ist.
Warum versenkbar und nicht Beton
Ein Betonpoller schützt rund um die Uhr – auch dann, wenn niemand Schutz braucht. Auf der Großen Freiheit wäre das ein Problem: Bierlieferungen, Getränkehändler, Handwerker für die Clubs, Müllabfuhr, Umzüge. Sie alle müssen tagsüber in die Straße. Und im Notfall müssen Feuerwehr und Rettungsdienst auch nachts hinein, in Sekunden und ohne dass jemand erst einen Betonklotz beiseiteräumt.
Versenkbare Poller lösen beide Anforderungen mit derselben Anlage. Nachts sind sie die physische Sperre, die ein Fahrzeug nicht überwindet. Tagsüber sind sie unsichtbar. Und wenn es darauf ankommt, senkt die Wache sie per Knopfdruck in wenigen Sekunden.
Gesteuert und überwacht aus der Davidwache
Die gesamte Anlage hängt an der Leitstelle der Davidwache, der wohl bekanntesten Polizeiwache Deutschlands, die nur wenige hundert Meter entfernt an der Reeperbahn liegt. Von dort lassen sich alle sechs Poller gemeinsam oder jede Zufahrt einzeln heben und senken, und die Beamten sehen jederzeit, welcher Poller oben und welcher unten ist. Genau diese Zentralsteuerung macht die Anlage bei einem Feuerwehreinsatz oder einem Rettungswagen wertvoll: Die Wache gibt den Weg frei, das Fahrzeug fährt durch, die Sperre schließt sich wieder.
Wie die Freigabe technisch abläuft und welche Ausführung der Poller hier verbaut ist, nennen wir bewusst nicht – bei einem Zufahrtsschutz gegen Anschläge gehören solche Angaben nicht ins Internet. Was wir sagen können: Die Poller sind aus V4A-Edelstahl (1.4571) gefertigt, pneumatisch angetrieben und für den Aufprall eines schweren Lkw ausgelegt.

Einbau mit Publikum: Am Bauzaun schauen Anwohner und Touristen zu, während im Graben die Leitungen zu den Pollern verlegt werden. Die Poller stehen in einer verdichteten Sandbettung, nicht in Beton.
Sabotagesicher: Der Poller bleibt oben, auch ohne Druckluft
Ein Sicherheitspoller ist nur so gut wie sein Schutz gegen Manipulation. Bei den Pollern an der Großen Freiheit verriegelt sich beim Ausfahren jedes Mal ein massiver Stahlbolzen mechanisch in der Endlage. Der Poller lässt sich danach nicht herunterdrücken, nicht mit Gewicht, nicht mit Gewalt. Erst das kontrollierte Absenken über die Steuerung löst die Verriegelung wieder.
Das gilt auch für den Fall, dass jemand die Druckluftleitungen durchtrennt: Die Luft entweicht, der Bolzen hält, der Poller bleibt oben und die Straße bleibt gesperrt. Bei manchen Systemen anderer Bauart reichen dagegen ein paar gestapelte Gehwegplatten auf dem Pollerkopf, um ihn abzusenken oder zu beschädigen. Für eine Straße, auf der nachts Tausende Menschen unterwegs sind, wäre das keine Option. Was Sie bei einem Sicherheitspoller prüfen sollten, haben wir auf der Seite Sicherheitspoller zusammengefasst.
Druckluft: Nichts im Boden, was ausfallen kann
Im Poller selbst steckt nur ein Zylinder aus Edelstahl. Kompressor, Ventile und Steuerung stehen im Gebäude, verbunden über unterirdische Kabel- und Schlauchpakete. Im Boden gibt es keinen Motor, keine Platine, keinen Endschalter und keine Heizung, die ausfallen oder manipuliert werden könnten. Die Poller sind nach IP69 dicht – und das ist auf dem Kiez keine Formsache. Hier laufen morgens die Reinigungsfahrzeuge mit Hochdruck über den Asphalt, hier fließen Bier, Regen und im Winter Streusalz in jede Fuge. Einem Edelstahlzylinder macht das nichts aus.

Die Poller vor dem Einsetzen: Was hier zu sehen ist, ist alles, was später im Boden steckt – ein Edelstahlzylinder mit Hülse. Die Technik sitzt am anderen Ende der grauen Leitungspakete.
Sollte einmal ein Ventil oder ein Kompressor getauscht werden müssen, passiert das im Technikraum an Schnellkupplungen, nicht auf der Straße vor tausend Zuschauern. Der Asphalt bleibt zu. Warum wir bei unseren Pollern grundsätzlich auf Druckluft setzen, erklärt der Vergleich der Poller-Antriebe.

Zwei Fahrzeuge warten vor der gesperrten Zufahrt, bis die Wache die Poller freigibt. Die weißen Markierungen im Asphalt zeigen die Pollerpositionen.
Video: Die Poller an der Großen Freiheit
Was andere Städte aus diesem Projekt mitnehmen können
Drei Entscheidungen aus der Großen Freiheit lassen sich auf fast jede Fußgängerzone, Festmeile oder Innenstadtstraße übertragen. Erstens: Versenkbar statt starr, wenn die Straße tagsüber leben soll – Lieferverkehr und Rettungswege sind das Argument, nicht die Optik. Zweitens: Die Bedienung dorthin legen, wo ohnehin rund um die Uhr jemand entscheidet, hier die Polizeiwache. Drittens: Auf die mechanische Verriegelung achten, denn ein Poller, der sich mit Gewalt absenken lässt, ist kein Anschlagsschutz.
Wie die Stadt Hamburg an anderer Stelle vorgegangen ist, zeigt unsere Referenz versenkbare Poller am Hamburger Rathaus. Die Grundlagen für Kommunen haben wir in der Themenwelt Kommunaler Zufahrtsschutz zusammengefasst; welche Poller für welchen Schutzbedarf infrage kommen, steht auf der Seite Anti-Terror-Poller.
Presse zur Einweihung
Über die Einweihung im Oktober 2018 berichteten unter anderem WELT und Bild.
Sie planen den Zufahrtsschutz für eine Festmeile oder Fußgängerzone?
Rufen Sie uns an unter 040 226390411 oder schreiben Sie per WhatsApp an 0172 4544485. Wir fertigen die Poller in Seevetal bei Hamburg selbst, liefern Zeichnungen und Datenblätter für Ausschreibungen und begleiten den Einbau. Alle Modelle finden Sie in der Übersicht versenkbare Poller aus Edelstahl V4A.




